»Das letzte Grün wird platt gemacht«

Grüne, FDP und SPD kritisieren, dass die CDU heute vermutlich der Wiemenkamp-Umgestaltung zustimmen wird

Delbrück(WV). Wenn Politiker Jürgen Wrona über den Wiemenkamp spaziert und daran denkt, dass heute Abend im Rat vermutlich beschlossen wird, den Bouleplatz und die Wippe für Kinder dort durch 21 weitere Parkplätzen zu ersetzen, dann sieht der Grüne rot. »Gutachterem­pfehlungen werden hier in Delbrück ja gerne konsequent ignoriert«, sagt er.

Als die Planungen zur Aufwertung der Delbrücker City vor mehr als fünf Jahren begannen, hatten Gutachter festgestellt, wie stark die Innenstadt vom Autoverkehr geprägt ist und vorgeschlagen, durch die Schaffung von Plätzen und Grünflächen und eine Reduzierung von Parkplätzen die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

»Stattdessen wird jetzt das letzte Grün auf dem Wiemenkamp auch noch zugunsten weiterer Parkplätze platt gemacht«, schimpft Michael Kersting von der SPD. Gemeinsam mit Grünen und FDP weisen die Sozialdemokraten darauf hin, dass dieser Beschluss heute Abend im Rat (18 Uhr, Stadthalle) vermutlich allein mit den Stimmen der CDU fallen werde. Der Bouleplatz soll zum Nordring verlegt werden, auf dem Wiemenkamp können dann nach dem Umbau künftig für etwa 87 000 Euro 21 weitere Parkplätze entstehen.

»Aus dem ursprünglichen Innenstadtkonzept sind alle Pläne, die mehr Aufenthaltsqualität versprachen, rausgekegelt worden«, sagt Marion Lange (Grüne), und ihr Parteikollege Jürgen Wrona ergänzt: »Die Parkraumanalyse 2011 hat ergeben, dass im Schnitt 23 Prozent der Parkplätze in der Innenstadt frei sind, sogar in der Hauptbelastungszeit wurden zehn Prozent freie Parkplätze gezählt. Trotzdem kommen jetzt in den Planungen immer noch neue Parkplätze dazu, obwohl eigentlich welche wegfallen sollten…«

Michael Kersting (SPD) fragt, warum man nicht einmal die bestehenden Parkbereiche wie vorgeschlagen umrüste und dann nach der Innenstadtumgestaltung prüfe, ob überhaupt noch weitere Parkplätze am Wiemenkamp benötigt werden. Das könne man doch erst einmal austesten. »Aber«, so Kersting, »wer einen Versuch ablehnt, der hat wohl Angst vor dem Ergebnis…« Er frage sich, ob da die »Strippenzieher im Hintergrund« (er meint damit die DEMAG, den Zusammenschluss der Delbrücker Einzelhändler um den ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Meinolf Päsch) wieder einmal ganze Arbeit geleistet hätten und die CDU »brav tue, was befohlen wurde.« Die Entscheidung, den Wiemenkamp zur »Parkplatzwüste« zu machen, sei von der CDU im Einklang mit dem Bürgermeister allein durchgedrückt worden, betont Kersting.

Marion Lange (Grüne) beklagt, mit dem gut frequentierten Bouleplatz und der Spielmöglichkeit für Kinder nehme man »das Leben aus der Innenstadt heraus«, Brigitte Michaelis kritisiert, die Menschen würden »Geselligkeit« in der Innenstadt vermissen. Zusätzliche Parkplätze auf dem Wiemenkamp seien in der Planung eigentlich nie vorgesehen gewesen, sagt Jürgen Wrona, jetzt seien im Vergleich zur Ursprungsplanung insgesamt plötzlich 40 oder 50 neue Parkplätze in der City entstanden, aber kein einziger weggefallen. »Bald ist es aus mit der Natur im Stadtzen­trum. Hauptsache, es entstehen Parkplätze«, bilanziert Michael Kersting, der nicht glaubt, dass die CDU ihre Haltung heute Abend noch einmal überdenkt. Das befürchtet auch Marion Lange: »Die Entscheidung werden wir wohl nicht mehr umkehren können. Aber wir möchten wenigstens die letzte Chance nutzen, noch einmal darauf hinzuweisen, wie unsinnig sie aus unserer Sicht ist.«